Rezension Priv.-Doz. Mag. DDr. Wiesflecker MAS, LL. M., MA, Bereichsleiter am stmk. Landesarchiv in Graz

 

Rezension

 

 

Arno Kerschbaumer, Nobilitierungen unter der Regentschaft Kaiser Franz Joseph I./I. Ferenc Jozsef király (1914–1916): Graz 2017, 323 Seiten. ISBN 978-3-9504153-2-2.

 

Bereits mit seinem Band über die österreichischen und ungarischen Nobilitierungen Kaiser Karls I./König Karls IV., der 2016 erschienen ist, hat der Autor nicht nur zahlreichen Ergänzungen zum österreichischen Adelslexikon Karl Friedrichs von Frank (1928) bzw. Peter Frank-Döferings (1986) beigestellt, sondern vielmehr Grundlagenarbeit zur österreichisch-ungarischen Nobilitierungspolitik unter dem letzten habsburgischen Regenten geleistet, indem er auch dessen Nobilitierungen als König von Ungarn zugänglich gemacht hat.

Nunmehr hat er seine Untersuchungen über die Nobilitierungen Kaiser/König Franz Josephs I. in letzten drei Jahren seiner Regierung vorgelegt (1. Jänner 1914 bis 21. November 1916) und allein mit den Standeserhöhungen und Gnadenakten dieses Zeitraums in Cis- und Transleithanien ließ sich wiederum ein Band füllen. Dieser folgt dem im ersten Band gewählten Schema. Die Standeserhöhungen werden nach Jahren und nach den einzelnen Adelsrängen aufgelistet, wobei Ritterstand und einfacher Adel, die in Cisleithanien zwei verschiedene Adelsränge darstellen – in den Ländern der Stephanskrone gab es keinen Ritterstand –, in der Publikation zusammengefasst wurden.

Ergänzt wird dieses Verzeichnis der in den letzten Regierungsjahre Kaiser Franz Josephs durch die Verleihung des Adels oder eines höheren Adelsranges ausgezeichneten Personen und Familien durch die unerledigt gebliebenen oder abgewiesenen Ansuchen. Zu jenen, deren erhoffte Standeserhöhung (Verleihung des Freiherrnstandes) über die Regierungszeit Kaiser Franz Josephs hinaus unerledigt blieb zählte auch der steirische Gutsbesitzer Rüdiger Seutter von Lötzen, Besitzer von Trautenburg bei Leutschach.

Unter den Nobilitierten dieser Jahre finden sich auch einige Personen steirischer Provenienz, so der Landtagsabgeordnete und Judenburger Bürgermeister Ing. Rudolf Foest, auf den mit Allerhöchster Entschließung vom 13. Jänner 1914 Namen, Adel, Prädikat und Wappen seines Schwiegervaters Friedrich Perko Edlen von Monshoff in der Schreibweise Foest-Perko Edler von Monshoff übertragen wurden. Ebenfalls zu den Ausgezeichneten des Jahres 1914 zählte der Grazer Großindustrielle Johann Dettelbach. Dem k. k. Hofrat Moritz Felicetti von Liebenfels, dem Sohn des gleichnamigen steirischen Historikers, wurde 1915 die Ablegung des Familiennamens Felicetti und die Führung des Namens „von Liebenfels“ gestattet.

Einen Blick auf die differenzierte und facettenreiche Struktur des österreichischen Adels der ausklingenden Donaumonarchie mit höchst unterschiedlichen Lebenswelten und genealogisch-soziologischen Bezugssystemen erlaubt etwa die (untersteirische) Familie Radey. Franz Radey (1830–1903), der Sohn eines Grundbesitzers in Reichenburg bei Cilli, ließ sich als Notar in Marburg nieder und betätigte sich auch politisch. Er war Landtagsabgeordneter der Landgemeinden des Bezirkes Marburg und eine Zeit auch Landeshauptmann-Stellvertreter der Steiermark. Aus seiner Ehe mit Helene Anna Latterer von Lintenburg, der Tochter eines k. k. Generalmajors, stammten zehn Kinder. Mehrere seiner Söhne wurden Offiziere, darunter auch Johann Radey (1863–1955), der als Oberst und Kommandant des Ulanenregiments Nr. 11 im Juli 1916 in den österreichischen Adel erhoben wurde. Verheiratet war dieser Adelserwerber mit Anna Gräfin von Meran (1864–1935), der ältesten Enkelin Erzherzog Johanns. 1918 wurde einem weiteren Mitglied der Familie Radey, Johanns älterer Bruder, dem k. u. k. Generalstabsarzt und Sanitätschef des 11. Armeekommandos Franz Radey der Adel verliehen. Dieser wählte zudem das Prädikat „Freydegg“.

Was diesen von Arno Kerschbaumer herausgegebenen Band zudem kennzeichnet, ist der Umstand, dass der Autor auch eine Reihe von „Genealogien … ausgewählter Familien“ (S. 119– 280) erarbeitet hat, die angetan sind, Lücken in der genealogischen Forschung zu füllen, da gerade zahlreiche Familien des österreichischen Offiziers-, Beamten- und Wirtschaftsadels in genealogischen Reihenwerken nicht erfasst sind. Dieser Abschnitt ist mit Porträts, Todesanzeigen und insbesondere Wappendarstellungen der einzelnen Familien reich illustriert; letztere hat Gerd Hruška von Března angefertigt.

Den Worten von Georg Frölichsthal in seinem Vorwort zu diesem Band, wonach der Autor eine „unvorstellbar in die Tiefe gehende“ weitere Arbeit zur österreichischen Nobilitierungspolitik vorgelegt hat, ist nichts hinzuzufügen, außer der Wunsch, dass weitere Publikationen dieser Art aus der Werkstatt des Verfassers folgen mögen.

 

Peter Wiesflecker

 

Rezension Priv.-Doz. Mag. DDr. Peter Wiesflecker MAS, LL.M., MA, Bereichsleiter am stmk. Landesarchiv in Graz in Zeitschrift des Historischen Vereins für Steiermark. Erschienen in der Zeitschrift des Historischen Vereins für Steiermark 108 (2017), 220–221.

Rezension Nobilitierungen unter Kaiser Franz Joseph I.

 

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